Im Sommersemester 2026 halte ich ein B.A.-Seminar zum Thema “Politik sehen lernen: Datenanalyse und Visualisierung im politischen System der Bundesrepublik”. Sein Zweck ist es, anhand von Themen aus dem politischen System der Bundesrepublik Techniken der visuell orientierten Analyse einzuüben, denn oft können grafische Darstellungen Aspekte und Zusammenhänge sichtbar machen, die eine reine Betrachtung von Zahlen und statistischen Werten nicht hervorbringen. So haben wir Daten über Demokratiequalität aus dem VDem-Projekt und den Inhalt von Parteiprogrammen (aus dem Manifesto-Projekt) untersucht, Wahlergebnisse, Staatstätigkeit und Lobbying betrachtet und dabei verschiedene Techniken der grafischen Analyse praktisch kennengelernt.
Julius Kölzer, Doktorand an der Hertie School of Governance und am DYNAMICS Graduiertenkolleg, arbeitet neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auch als Datenjournalist im Bereich Visualisierung und ist mit den Ergebnissen in den sozialen Medien unterwegs. Ich habe mich sehr gefreut, dass er die Einladung nach Göttingen zu einem Vortrag im Rahmen des Seminars sofort annahm.
Sein Vortrag, der im Anschluss an das Seminar stattfand und zu dem schönerweise etwa 35-40 Zuhörer kamen, fokussierte auf seine Arbeit über räumliche Ungleichheit und ihre Folgen für bzw. ihren Ausdruck im Wahlverhalten. Anhand von Daten der Bundestagswahl 2025 führte Julius Kölzer die enormen Unterschiede zwischen “sehr urbanen” und “sehr ländlichen” Räumen in den politischen Präferenzen sowie die enormen Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland in diesem Bereich vor ebenso wie erste Ergebnisse zu den erklärenden Variablen für diese Unterschiede.
Die angeregte Diskussion im Anschluss an den Vortrag, an der sich Kolleginnen und Kollegen ebenso wie Studierende beteiligten, zeigte die große Resonanz sowohl des Themas wie der angewandten Methoden.